Kfar Tikva – ein gelungenes Projekt deutsch-israelischer Versöhnung
Kurze Einführung in die Geschichte Kfar Tikvas und seinen Grundsatz
Text: Günter Zenner
1963 begann eine Gruppe Israelis unter Leitung Dr. Sigfried Hirschs auf dem Gelände eines aufgegebenen Kibbuz mit dem Bau eines Behindertendorfes. Die verlassenen Ge- bäude des Kibbuz wurden renoviert und es begann der Aufbau einer kibbuzähnlichen Gemeinschaft. Ein Jahr später konnte Dank deutscher Volontäre und Spender das Dorf eingeweiht werden. Der Traum Dr. Sigfried Hirschs, der für seine behinderte Tochter und andere eine Lebenslösung neben den bestehenden konventionellen Institutionen suchte, wurde war. Bei der Eröffnung damals zitierte Dr. Hirsch, General de Gaulle, der bei der Beerdigung seiner behinderten Tochter Folgendes gesagt haben soll: "Nun, Ann de Gaulle, bist Du wie alle anderen Menschen!" Dr. Hirsch's stellte damals für das Dorf folgenden Grundsatz auf: "Sie sollen leben wie wir!"
Der Gedanke der Gründer war, das gut gemeinte partrialische System der Bevormundung der Behinderten aufzuheben und durch ein neues zu ersetzen, in dem ein verändertes Verhalten gegenüber Behinderten und die Wahrung ihrer Menschenrechte im Mittelpunkt stehen sollte. Ziel war die Umstellung und Verbesserung ihrer Selbstbewertung. Die Selbstsicherheit und das Selbstbewußtsein der Behinderten sollte gefördert werden, um das vorhandene persönliche Potenzial auf dem Weg zur Selbstverwirklichung, wie auch der Zugehörigkeit zu einer spezifizierten Gemeinschaft optimal nützen zu können. Diese "hohen" Ziele sollen damals wie heute durch kleine Schritte erreicht werden:
Das Erlernen, die Gefühle besser zum Ausdruck zu bringen. Aneignen von guten Fähig- keiten auf dem Gebiet der Hygiene und Unabhängigkeit in der tagtäglichen Lebensroutine. Bestmögliche Entwicklung der Arbeitsfähigkeit auf einem oder wenn möglich mehreren Gebieten. Förderung einer besseren zwischenpersönlichen Kommunikation und des sozialen Ver- antwortungsbewußtseins. Entfaltung der eigenen Persönlichkeit, die sich zur Geltung bringen und Entscheidung treffen kann. z.B. wo und wie sie ihr eigenes Leben verbringen möchte oder kann. Für manche Mitglieder kann das die Wahl bedeuten, in einer urbanen oder anderen Gemeinschaft zu leben. Für jene, die bleiben möchten kann in Kfar Tikva ihr Heim und ihre Gemeinschaft sein.
Seit dem Jahre 1963 unterstützen deutsche Volontäre und deutsche Spender die Arbeit in Kfar Tikva. Ohne ihre Unterstützung hätte es Kfar Tikva in dieser Form vielleicht nie gegeben. Im vierzigsten Jahr der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Deutschland und Israel möchten wir allen, die Kfar Tikva durch Geld- oder Sachspenden unterstützt haben danken. Dank sagen möchten wir auch allen, die seit damals als Volontär oder Volontärin zusammen mit uns an der Verwirklichung der Idee Sigfrid Hirschs und seiner Gruppe gearbeitet haben. Sie alle, Spender, Volontär oder mittlerweile beides - sie sind ein lebendiges Zeichen der Versöhnung.
DANKE!